BWH umfasst Unternehmensformen, Produktion, Personalwesen, Rechnungswesen und Investition. Aber wenn man sich ansieht, wo in der Prüfung die Punkte vergeben werden, fällt ein Bereich deutlich heraus: die Kostenrechnung.
Der Grund liegt im Format. Kostenrechnungsaufgaben lassen sich gut als mehrstufige Rechenaufgaben stellen, mit vielen Teilpunkten. Eine vollständige Zuschlagskalkulation kann allein zehn Punkte oder mehr bringen.
Das ist eine gute Nachricht. Rechenaufgaben folgen festen Schemata. Wer die Schemata beherrscht, kann auch Aufgaben lösen, die er vorher nie gesehen hat. Im Gegensatz zu Definitionsfragen, bei denen man es entweder weiß oder nicht.
Dieser Artikel geht die Verfahren der Reihe nach durch, jeweils mit durchgerechnetem Beispiel. Lohnformen und Entgeltberechnung behandelt der Artikel BWH Rechnen.
Bevor es ans Rechnen geht, der Überblick. Die Kostenrechnung beantwortet drei Fragen nacheinander:
Diese Reihenfolge wird gern als Verständnisfrage gestellt. Merkformel: welche, wo, wofür.
Zwei Unterscheidungen musst du sicher beherrschen, weil sie in fast jeder Aufgabe vorkommen.
Einzelkosten lassen sich einem Produkt direkt zurechnen. Das Blech für ein bestimmtes Bauteil, der Akkordlohn für dessen Fertigung.
Gemeinkosten lassen sich nicht direkt zurechnen und müssen über Schlüssel verteilt werden. Miete der Halle, Gehalt des Meisters, Strom für die Beleuchtung.
Fixkosten bleiben unabhängig von der Produktionsmenge gleich. Miete, Gehälter, Abschreibungen, Versicherungen.
Variable Kosten verändern sich mit der Menge. Material, Akkordlohn, Energie für die Maschinen.
Die Fixkosten pro Stück sinken mit steigender Menge, weil sie sich auf mehr Einheiten verteilen. Die Fixkosten gesamt bleiben gleich. Bei variablen Kosten ist es umgekehrt: pro Stück konstant, gesamt steigend.
Der BAB verteilt die Gemeinkosten auf die Kostenstellen und liefert daraus die Zuschlagssätze. Die vier Hauptkostenstellen:
Die Zuschlagssätze werden nach diesem Muster berechnet. Achte genau auf die Bezugsbasis, das ist die häufigste Fehlerquelle:
Material und Fertigung beziehen sich auf die jeweiligen Einzelkosten. Verwaltung und Vertrieb beziehen sich auf die Herstellkosten.
Beispiel: Materialgemeinkosten 48.000 €, Materialeinzelkosten 320.000 €
MGK-Satz = 48.000 € ÷ 320.000 € × 100 = 15 %
Das wichtigste Schema in BWH. Es muss auswendig sitzen, und zwar so, dass du es in der Prüfung ohne Nachdenken hinschreiben kannst.
Das vollständige Schema:
Skonto und Rabatt werden dabei im Hundert gerechnet, weil der Kunde sie vom höheren Preis abzieht. Bei 2 % Skonto gilt also: Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis ÷ 0,98.
Gegeben: MEK 400 €, MGK-Satz 15 %, FEK 300 €, FGK-Satz 120 %, VwGK-Satz 8 %, VtGK-Satz 6 %, Gewinnzuschlag 10 %
Schreib in der Prüfung jede Zeile einzeln auf. Selbst wenn du dich irgendwo verrechnest, bekommst du für die richtigen Zwischenschritte Punkte.
Die Vorwärtskalkulation rechnet von den Kosten zum Preis, wie im Beispiel oben.
Die Rückwärtskalkulation geht den umgekehrten Weg: Der Marktpreis ist vorgegeben, gesucht sind die maximal zulässigen Kosten. Typische Fragestellung: "Der Wettbewerber bietet für 1.200 €. Welche Materialkosten dürfen maximal anfallen?"
Beim Rückwärtsrechnen wird nicht einfach der Prozentsatz abgezogen. Du teilst durch den Hundertsatz plus Zuschlag.
Beispiel: Selbstkosten sind gesucht, Barverkaufspreis 1.404,48 €, Gewinnzuschlag 10 %
Selbstkosten = 1.404,48 € ÷ 1,10 = 1.276,80 €
1.404,48 € × 0,90 = 1.264,03 € ist falsch. Der Gewinnzuschlag wurde auf die Selbstkosten gerechnet, also muss auch durch 1,10 geteilt werden.
Nach der Kalkulation das zweitwichtigste Thema. Es geht um die Frage: Was bleibt von einem Verkaufserlös übrig, nachdem die variablen Kosten gedeckt sind?
Die drei Grundformeln:
Der Deckungsbeitrag deckt also zunächst die Fixkosten. Was darüber hinausgeht, ist Gewinn.
Die Menge, ab der weder Gewinn noch Verlust entsteht:
Beispiel: Verkaufspreis 80 €, variable Stückkosten 50 €, Fixkosten 120.000 €
Anschlussfrage, die oft folgt: Welches Ergebnis ergibt sich bei 5.500 Stück?
Gesamtdeckungsbeitrag = 5.500 × 30 € = 165.000 €
Betriebsergebnis = 165.000 € − 120.000 € = 45.000 € Gewinn
Ein wiederkehrender Aufgabentyp, bei dem viele falsch entscheiden. Ein Kunde bietet einen Preis unterhalb der Selbstkosten. Annehmen oder ablehnen?
Die Antwort: annehmen, sofern der Preis über den variablen Stückkosten liegt und freie Kapazität vorhanden ist. Denn jeder Euro oberhalb der variablen Kosten trägt zur Deckung der ohnehin anfallenden Fixkosten bei.
Beispiel: Selbstkosten 72 €, variable Stückkosten 50 €, Angebot 60 € für 800 Stück.
DB = 60 € − 50 € = 10 € je Stück, insgesamt 8.000 €. Der Auftrag verbessert das Betriebsergebnis um 8.000 €, obwohl der Preis unter den Selbstkosten liegt. Annehmen.
Das gilt nur bei freier Kapazität. Müsste dafür ein regulärer Auftrag zurückstehen, wäre dessen entgangener Deckungsbeitrag gegenzurechnen.
Meist kürzer abgefragt, aber die statischen Verfahren solltest du kennen.
Kalkulatorische Abschreibung = (Anschaffungswert − Restwert) ÷ Nutzungsdauer
Kalkulatorische Zinsen = (Anschaffungswert + Restwert) ÷ 2 × Zinssatz
Die Division durch zwei bildet das durchschnittlich gebundene Kapital über die Nutzungsdauer ab. Das wird gern vergessen.
Amortisationszeit = Investitionssumme ÷ jährlicher Rückfluss
wobei der Rückfluss aus Gewinn plus Abschreibung besteht
Beispiel: Maschine 150.000 €, Restwert 30.000 €, Nutzungsdauer 8 Jahre, Zinssatz 5 %
Gehören formal zur Materialwirtschaft, kommen aber regelmäßig zusammen mit Kostenthemen dran.
Sind die Monatsbestände gegeben, nimm immer die genauere Formel mit allen Werten. Die Kurzformel mit Anfangs- und Endbestand führt dann zu einem anderen Ergebnis.
Der Zusammenhang wird gern als Verständnisfrage geprüft: Eine hohe Umschlagshäufigkeit bedeutet kurze Lagerdauer, geringe Kapitalbindung und niedrigere Lagerkosten.
Beispiel: Verbrauch 480.000 kg, Anfangsbestand 30.000 kg, Endbestand 50.000 kg
Das Kalkulationsschema täglich aufschreiben. Zwei Minuten am Tag, bis es automatisch geht. In der Prüfung darfst du keine Denkleistung an die Struktur verschwenden.
Jeden Aufgabentyp mindestens fünfmal rechnen. Verstehen allein reicht nicht, wenn unter Zeitdruck die Hand schreiben muss.
Immer vollständig auf Papier. Formel, Werte einsetzen, Zwischenergebnis, Endergebnis mit Einheit. Auch beim Üben zu Hause. Die Formeln dazu findest du gesammelt in der Formelsammlung.
Die Interpretation mitüben. Viele Aufgaben verlangen nicht nur die Zahl, sondern eine Aussage dazu. "Der Break-Even liegt bei 4.000 Stück, das Unternehmen arbeitet ab dieser Menge gewinnbringend."
Die Kostenrechnung ist der prüfungsrelevanteste Bereich in BWH und gleichzeitig der am besten lernbare, weil alles festen Schemata folgt. Zuschlagskalkulation, Deckungsbeitrag und Break-Even decken zusammen einen großen Teil der Rechenaufgaben ab.
Wer diese drei Bereiche sicher beherrscht und die Rechenwege konsequent aufschreibt, holt in BWH zuverlässig Punkte, auch bei Aufgaben, die auf den ersten Blick ungewohnt aussehen.
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