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BWH Rechnen — Kalkulation, Deckungsbeitrag & Co. einfach erklärt

Industriemeister-BQ Redaktion · 19. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

Warum BWH-Rechenaufgaben so gefürchtet sind

Betriebswirtschaftliches Handeln ist für viele Industriemeister-Kandidaten das unangenehmste Fach — nicht wegen der Schwierigkeit der Konzepte, sondern wegen der Fremdheit. Wer sein ganzes Berufsleben in der Produktion gearbeitet hat, ist selten mit Kalkulation, Kostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung in Berührung gekommen.

Die gute Nachricht: BWH-Rechenaufgaben folgen immer denselben Schemata. Wer diese Schemata kennt und ausreichend geübt hat, kann die meisten Prüfungsaufgaben sicher lösen — auch ohne kaufmännischen Hintergrund.

Die Zuschlagskalkulation — das Herzstück von BWH

Die Zuschlagskalkulation kommt in fast jeder BWH-Prüfung vor. Das Schema muss auswendig sitzen:

Das Kalkulationsschema:

Beispielaufgabe:
MEK = 200 €, MGK-Satz = 15%, FEK = 150 €, FGK-Satz = 120%, VwGK-Satz = 8%, VtGK-Satz = 5%, Gewinn = 10%

Zuschlagssätze berechnen — häufige Fehlerquelle

Bevor du kalkulieren kannst, musst du oft die Zuschlagssätze selbst berechnen. Hier passieren viele Fehler weil die Basis verwechselt wird.

MGK-Satz:
MGK-Satz (%) = MGK / MEK × 100
Basis ist MEK — nicht Gesamtmaterialkosten!

FGK-Satz:
FGK-Satz (%) = FGK / FEK × 100
Basis ist FEK — nicht Fertigungskosten gesamt!

VwGK-Satz und VtGK-Satz:
VwGK-Satz (%) = VwGK / HK × 100
VtGK-Satz (%) = VtGK / HK × 100
Basis ist HK (Herstellkosten)!

Beispiel: MGK gesamt = 45.000 €, MEK gesamt = 300.000 €
MGK-Satz = 45.000 / 300.000 × 100 = 15%

Deckungsbeitragsrechnung

Die Deckungsbeitragsrechnung ist nach der Kalkulation das zweithäufigste BWH-Prüfungsthema.

Deckungsbeitrag (DB):
DB = Erlös – variable Kosten
Variable Kosten: steigen mit der Produktionsmenge (z.B. Material, Akkordlohn)
Fixkosten: bleiben unabhängig von der Menge konstant (z.B. Miete, Gehälter)

DB-Satz:
DB-Satz = DB / Erlös × 100 (%)
Zeigt: Wie viel Prozent des Erlöses decken die Fixkosten und den Gewinn?

Break-Even-Point (Gewinnschwelle):
Break-Even-Menge = Fixkosten / DB je Stück
Break-Even-Umsatz = Fixkosten / DB-Satz × 100

Beispielaufgabe:
Erlös pro Stück = 80 €, variable Kosten = 50 €, Fixkosten gesamt = 90.000 €

Lohnformen und Entgeltberechnung

Zeitlohn

Lohn = Stundenlohn × geleistete Stunden
Einfachste Form — keine Rechnung nötig außer Multiplikation.

Akkordlohn

Stückakkord:
Akkordlohn = produzierte Stücke × Stückgeldakkord
Stückgeldakkord = Akkordrichtsatz / Normalleistung (Stück/Std)

Zeitakkord:
Akkordlohn = geleistete Stücke × Vorgabezeit × Akkordrichtsatz
Vorgabezeit: Zeit die für ein Stück angesetzt wird

Beispiel Stückakkord:
Normalleistung = 50 Stück/Std, Akkordrichtsatz = 15 €/Std, produziert = 320 Stück in 8 Std

Prämienlohn

Prämienlohn = Grundlohn + Prämie
Prämie = Grundlohn × Prämiensatz (%)
Prämiensatz hängt von der Mehrleistung ab — wird in der Aufgabe angegeben oder muss aus einem Diagramm abgelesen werden.

Lagerumschlagshäufigkeit

Die Lagerumschlagshäufigkeit zeigt wie oft der durchschnittliche Lagerbestand innerhalb eines Zeitraums verbraucht und neu beschafft wird.

Formel:
Lagerumschlagshäufigkeit = Verbrauch / durchschnittlicher Lagerbestand

Durchschnittlicher Lagerbestand:
ø Lagerbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) / 2
Oder bei mehreren Monatswerten: Summe aller Monatswerte / Anzahl der Monate

Durchschnittliche Lagerdauer:
Lagerdauer (Tage) = 360 / Lagerumschlagshäufigkeit

Beispielaufgabe:
Jahresverbrauch = 240.000 kg, Anfangsbestand = 20.000 kg, Endbestand = 40.000 kg

Statische Investitionsrechnung

Kostenvergleichsrechnung

Welche von zwei Maschinen ist günstiger?
Gesamtkosten = Abschreibung + Zinsen + Betriebskosten
Abschreibung = (Anschaffung – Restwert) / Nutzungsdauer
Zinsen = (Anschaffung + Restwert) / 2 × Zinssatz

Amortisationsrechnung

Wann hat sich eine Investition bezahlt gemacht?
Amortisationszeit = Investitionskosten / jährlicher Rückfluss
Jährlicher Rückfluss = Gewinn + Abschreibung

Rentabilitätsrechnung

Rentabilität (%) = Gewinn / eingesetztes Kapital × 100
Vergleich mit Alternativanlage (z.B. Bankzinsen) zeigt ob die Investition sich lohnt.

Häufige Rechenfehler in BWH — und wie du sie vermeidest

Fazit

BWH-Rechenaufgaben sind kein Mysterium — sie folgen klaren Schemata die lernbar sind. Wer das Kalkulationsschema auswendig kennt, die Deckungsbeitragsrechnung sicher beherrscht und die Lohnformen verstanden hat, ist für den Großteil der BWH-Prüfung gut vorbereitet.

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